Hamburg hat erneut gegen Olympia gestimmt. Wie schon 2015 lehnten die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt in einem Referendum eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele ab. Das Ergebnis ist mehr als eine kommunalpolitische Entscheidung – es ist ein Signal weit über Hamburg hinaus und ein Erfolg für jene Bewegungen, die internationale Sportgroßveranstaltungen zunehmend kritisch hinterfragen.
Bereits beim Referendum über die Bewerbung für die Sommerspiele 2024 hatten sich die Hamburger mit 51,6 Prozent gegen Olympia ausgesprochen. Die Niederlage der Befürworter galt damals als Schock für Politik, Wirtschaft und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Zehn Jahre später wiederholt sich die Geschichte. Trotz breiter Unterstützung durch den rot-grünen Senat, Wirtschaftsverbände und große Teile des organisierten Sports verweigerten die Wähler erneut ihre Zustimmung.
In einer Pressemitteilung äußert sich Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Was für eine gute Entscheidung für die ganze Stadt! Die Hamburger*innen haben sich vom Senat und seiner kolossalen Olympia-Materialschlacht nicht blenden lassen. SPD, Grüne, CDU und Wirtschaft haben zig Millionen verpulvert und haben Kritiker*innen des Olympia- Konzepts als ‚schlecht gelaunt‘ und kleingeistig diffamiert.“
Die Gründe für die Ablehnung ähneln jenen von 2015. Viele Kritiker verweisen auf unkalkulierbare Kosten, steigende Mieten, Belastungen für die städtische Infrastruktur und die Gefahr, dass öffentliche Gelder in Prestigeprojekte statt in dringend benötigte soziale und ökologische Vorhaben fließen. Hinzu kommt ein grundlegendes Misstrauen gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), dessen Vergabepraxis und wirtschaftliche Strukturen seit Jahren Gegenstand öffentlicher Kritik sind.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Beharrlichkeit der Olympiagegner. Die Initiative „NOlympia“ und verschiedene Umweltverbände argumentieren seit Jahren, dass die Versprechen von Wachstum, Modernisierung und internationaler Aufmerksamkeit die tatsächlichen Risiken nicht aufwiegen. Sie sehen sich durch das Abstimmungsergebnis bestätigt. Aus ihrer Sicht haben die Hamburgerinnen und Hamburger erneut deutlich gemacht, dass demokratische Mitbestimmung schwerer wiegt als die Aussicht auf ein globales Sportereignis.
„Heute Abend steht die Linke als einzige demokratische Partei an der Seite der Mehrheit der Hamburger*innen. Jetzt erst recht: Wir wollen, dass Hamburg ganz groß rauskommt – beim Sozialen, bei den Schulen, vor allem auch bei der Inklusion – die ist doch keine Nebenwirkung Olympischer Spiele, die ist ein Menschenrecht!“, so Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft.
Die Debatte hat sich seit 2015 verändert. Damals standen vor allem finanzielle Risiken im Vordergrund. Heute spielen auch ökologische und soziale Fragen eine größere Rolle. Angesichts der Klimakrise erscheint vielen Bürgern die Ausrichtung eines Milliarden-Events mit hohem Ressourcenverbrauch zunehmend aus der Zeit gefallen. Selbst moderne Konzepte, die auf bestehende Sportstätten und nachhaltige Infrastruktur setzen, konnten diese Skepsis offenbar nicht ausräumen.
Auch in sozialen Medien und Online-Diskussionen zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Gegner verweisen auf Erfahrungen früherer Gastgeberstädte, deren Kosten die ursprünglichen Planungen oft deutlich überstiegen. Kritisiert wird zudem, dass Gewinne und Vermarktungsrechte in erheblichem Umfang beim IOC verbleiben, während finanzielle Risiken überwiegend von den Austragungsorten getragen werden. Viele Bürger sehen darin ein unausgewogenes Verhältnis zwischen öffentlichem Risiko und privatem Nutzen.
Für die Olympiagegner ist das Hamburger Votum deshalb mehr als ein lokaler Erfolg. Es bestätigt einen internationalen Trend: Immer häufiger geraten olympische Bewerbungen unter Legitimationsdruck. Zahlreiche Städte haben sich in den vergangenen Jahren nach Bürgerentscheiden oder massiven Protesten aus Bewerbungsverfahren zurückgezogen. Die Bereitschaft, milliardenschwere Großprojekte allein mit dem Versprechen von Prestige und wirtschaftlichen Impulsen zu rechtfertigen, scheint abzunehmen.
Politisch stellt das Ergebnis zugleich eine Niederlage für die Befürworter dar. Schon 2015 mussten Bürgermeister Olaf Scholz und der DOSB das Scheitern der Bewerbung eingestehen. Nun trifft die Ablehnung erneut eine breite Allianz aus Politik, Wirtschaft und Sportverbänden. Für die Gegner ist dies der Beleg, dass öffentliche Zustimmung nicht durch Werbekampagnen ersetzt werden kann.
Das Hamburger Nein ist damit nicht nur eine Entscheidung gegen eine Olympiabewerbung. Es ist eine Entscheidung für ein anderes Verständnis von Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und öffentlicher Prioritätensetzung. Die Botschaft der Abstimmung lautet: Große Visionen benötigen gesellschaftliche Akzeptanz. Fehlt diese, bleibt selbst das größte Sportereignis der Welt außen vor.

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